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Weiterbildung: Palliative Care für Pflegende

Christoph Schinkel ist staatlich anerkannter Gesundheits- und Krankenpfleger auf dem Wohnbereich 2 des St. Josefshauses in Rheine. Hier kümmert er sich um die Pflege und Betreuung von demenziell erkrankten Menschen. Seit April diesen Jahres absolviert der 30-jährige die Weiterbildung „Basiskurs Palliative Care und Organisationsethik“ an der Akademie für Gesundheitsberufe in Rheine. Die Weiterbildung dauert zwölf Monate. In diesem Zeitraum nimmt er an Blockunterricht teil. An insgesamt 20 Tagen erhält Christoph Schinkel Theorieunterricht und nimmt an zwei schriftlichen Prüfungen teil.

 

Herr Schinkel, was war ihre Motivation für die Weiterbildung?

Bereits vor dem Beginn meiner Ausbildung zum Alten- und Gesundheitspfleger konnte ich im Rahmen eines einjährigen Praktikums für das Fachabitur in Sozial- und Gesundheitswesen Erfahrungen im Pflegeberuf sammeln. Dieses Praktikum teilte ich in zwei halbjährige Praktika auf. Eines absolvierte ich in der Helios Klinik in Lengerich und eines in einem örtlichen Altenheim. Somit erhielt ich Einblicke in die Alten- und Krankenpflege. Schon damals fand ich es sehr interessant, wie unterschiedlich der Sterbeprozess in den beiden Arbeitsbereichen wahrgenommen wird.

Meine Motivation resultierte zusätzlich dadurch, dass ich meine eigene Großmutter im gesamten Sterbeprozess begleitet habe. Ich wollte mich hier weiterbilden, um mein Wissen und meine Erfahrungen in meine Arbeit im St. Josefshaus integrieren zu können.  Das Sterben und der Tod sind in meinem Berufszweig ein nicht zu verkennender Bestandteil.

 

Hat ihr Arbeitgeber sie unterstützt, als klar war, dass Sie die Weiterbildung machen möchten?

Schon im Bewerbungsgespräch fragte mich Frau Herking, ob ich gewisse Zweige der Weiter- und Fortbildungsmöglichkeiten nutzen möchte und ob es Themenfelder gibt, die mich interessieren. Bereits dort konnte ich mein Interesse an einer Palliativweiterbildung bekunden. Alle Führungskräfte im St. Josefshaus unterstützten mich bei meinem Vorhaben. Herr Derrup, meine Pflegedienstleitung, war stets ein kompetenter Ansprechpartner, wenn es um den Informationsaustausch bezüglich dieser Weiterbildung ging. Das Engagement der gesamten Leitung führte dazu, dass es mir ermöglicht wurde, diese Weiterbildung wahrzunehmen. Die Kosten für die Weiterbildung übernimmt der Lions Club in Rheine. Ich fühlte mich zu jeder Zeit unterstützt.

 

Was sind die Inhalte, die sie während der Fortbildung erlernen?  

Die jeweiligen Fortbildungstage sind in jeweils vier Blöcke zu je 90 Minuten Unterrichtszeit aufgeteilt, in denen diverse Thematiken besprochen wurde. Der erste Theorieblock ist vorbei und ich habe bereits vieles über Themen wie Trauerkennung, die unterschiedlichen Ansichten zum Sterben verschiedener Länder und Nationalitäten sowie die Wundversorgung bei einem Palliativen Patienten oder Bewohner erlernt. Weitere Themenfelder werden an alle Teilnehmer der Weiterbildung in den kommenden Theorieblöcken herangetragen.

 

Auch das Thema „Selbstpflege“ spielt in der Weiterbildung eine Rolle. Was genau ist damit gemeint?

Bei der „Selbstpflege“ geht es darum, dass Palliativpflegekräfte auch auf sich selber achten sollen. Personen, die in der palliativen Pflege tätig sind, wird oft ein hohes Engagement in fortlaufend belastenden Situationen abverlangt. Dies kann zu einem Ungleichgewicht zwischen Kraft und Last dieser Personen führen, was wiederum die Anfälligkeit für Krankheiten und Ineffizienz in einem Team erhöht. Dadurch kann es zu einer Verschlechterung der Arbeitsqualität kommen und einer erhöhten Anfälligkeit von Krankheiten. Selbstpflege bedeutet, die eigenen Grenzen zu kennen, sie zu erfahren und zu reflektieren. Dies sollte zum eigenen Schutz und zum Schutz der anvertrauten Bewohner geschehen. Leben, Gesundheit und Wohlbefinden ist das Ziel von Selbstpflege. Um auf Dauer gut pflegen zu können, muss man sich auch selber pflegen.

 

Wie unterscheidet sich die Arbeit einer „Palliative Care“- Pflegefachkraft von der Arbeit einer Pflegefachkraft?

Von dem bisher durch die Weiterbildung erlernten, kann ich aus persönlicher Sicht sagen, dass der Unterschied zwischen Palliative Care Fachkräften zu Fachkräften ohne diese Weiterbildung darin besteht, das die Palliative Care Fachkraft aufgrund der Weiterbildung ein weites Spektrum an alternativen Möglichkeiten zur Versorgung und Behandlung des Bewohners hat und eine zusätzliche Vernetzung im Palliativ Netzwerk stattfindet. Hier haben wir einen engen Austausch von Informationen und Ratschlägen untereinander.  Außerdem gehört zusätzlich zum Aufgabenbereich einer Palliative Care Fachkraft die enge Mitbetreuung der Angehörigen im gesamten Prozess. Weitere Informationen dieser Thematik werden in den kommenden Theorieblöcken vertieft.

Was bedeutet „Organisationsethik“?

Ethik gewinnt im pflegerischen Alltag immer mehr an Bedeutung und Pflegepersonen stoßen fortlaufend auf Situation, die eine ethische Entscheidungsfindung erfordern. Hierbei ist es wichtig, dass das Pflegepersonal darüber Bescheid weiß, wie mit einem ethischen Problem am besten umzugehen ist, um eine Handlung moralisch vertreten zu können. Wenn es beispielsweise um ein ethisches Problem in der letzen Lebensphase geht, müssen folgende Fragen berücksichtigt werden: Wie kann trotz Kommunikationseinschränkung die persönliche Freiheit und Würde bewahrt werden? Wie können Wertvorstellungen in Entscheidungen mit einbezogen werden? Wie kann der Patient oder die Patientin trotz der schwierigen Situation der Hilfslosigkeit nach den entsprechenden Wertevorstellungen leben und behandelt werden? Wichtig ist, dass diese Themen immer mit dem gesamten Pflegeteam besprochen werden. Am besten im Rahmen von Supervisionen oder separat organisierten Teamgesprächen. Nur so kann gewährleistet werden, dass alle Beteiligten auf dem gleichen Wissenstand sind und wissen, wie in bestimmten Situationen gehandelt werden muss.

 

Abgesehen vom fachlichen Aspekt: Was haben Sie persönlich bisher bei ihrer Weiterbildung gelernt?

Ich konnte bereits diverse Erkenntnisse in der palliativen Wundbehandlung, gerade im Bezug auf Tumorerkrankungen, erlangen. Ich habe Informationen bezüglich des Palliativnetzwerks erhalten können, zum Beispiel, dass diverse verschiedene Arbeitsgruppen daran teilnehmen wie z.B. Ärzte, Pflegekräfte sowie Mitarbeiter der sozialen Dienste. Es findet ein stetiger Informationsaustausch statt und neue Erkenntnisse können regelmäßigen in Palliativ Netzwerktreffen besprochen werden.

Ich freue mich sehr auf die kommenden Theorieblöcke der Weiterbildung und hoffe weiterhin auf einen spannenden und informativen Verlauf der Weiterbildung.